MST -Informa

Ano V - nº 136

quinta-feira, 05 de julho de 2007.

 

LETRAVIVA - Lebendiger San Francisco - Land und Wasser, Fluß und Leute!

 

Freundinnen und Freunde der brasilianischen Landlosenbewegung MST

 

Im Juni, auf unserem V. Nationalkongress, haben wir unsere Überzeugung und Entschlossenheit erneut bestätigt, gegen kriminelle Handlungen gegenüber der Umwelt zu kämpfen und alle Quellen, Flüsse und Süßwasserseen zu beschützen. So wie die Erde, ist auch das Wasser für uns ein Gut der Natur und gehört zu der gesamten Menschheit. Deswegen, seit 26. Juni, zählen wir uns zu den anderen Landarbeiterbewegungen, Umweltschützern, Flussbewohnern und Ureinwohner (Indigenas), die die Umleitungsbaustelle des Flusses São Francisco, in Cabrobó, Bundesland Pernambuco, besetzt haben. Mit dieser Besetzung, bringen wir unsere Sorgen über die Zukunft des Flusses São Francisco zum Ausdruck sowie unseren Wunsch über eine andere Vorgehensweise sich mit Wasserressourcen und Demokratisierung des Wasserzugangs in unserem Lande auseinanderzusetzen.

 

Wir wollen ein Entwicklungsmodell für den „semi-árido“ diskutieren, basierend auf nachhaltiger Nutzung des Biotops und Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung. Der „semi-árido“ soll nicht nur Schauplatz sein für Protzbauten. Wir stellen die Effizienz eines Baues in Frage, der nur 6% des „semi-árido“ etwas Nutzen wird. Nach Studien von EMBRAPA, die brasilianische Regierungseinrichtung für Land- und Viehwirtschaftsforschung, sind nur 5% des Bodens dieses Ökosystems geeignet für Bewässerung.

 

Wir kämpfen gegen die Interessen der mächtigen Wasser- und Agrarindustrie, die sich zusammen mit den Interessen der „Dürreindustrie“ gestellt haben. Sie wollen sich gegen die Völker, die schon immer vom Fluss São Francisco lebten und mit ihm interagierten, durchsetzen. Die lokale Bevölkerung will nicht die Umleitung sondern die Wiederbelebung des Flusses. Deswegen wollen wir jedem von euch das Manifest der Besetzung, wie folgt, mitteilen.

 

Ein guter Kampf für euch alle,

 

Nationale Leitung der MST

 

(Übersetzung: Luis Henrique Sievers)

 

 

Demonstration und Besetzung: 

Lebendiger San Francisco - Land und Wasser, Fluß und Leute!

 

Cabrobó- Pernambuco, 26. Juni 2007.

 

Der Nordosten ist zukunftsfähig auch ohne Ableitung des Wasser vom Sao Fransisco, aber mit der Ethik in der Politik.

 

Zum Fest des Heiligen Johannes und  Petrus vereinigt sich der Nordosten zu seinem größten Fest. Zusammenfallend mit den Ernten im Nordosten, ist es ein Fest des Überflusses, der Solidarität und der Fröhlichkeit. Ein Fest des lebensfähigen, nachhaltigen und souveränen Nordosten. Wir, die populären Bewegungen und die Zivilgesellschaft des Wassereinzugsgebiet des Heiligen Flusses São Francisco und des ganzen Nordostens sind gekommen, um in Cabrobó (PE) zu feiern. Wir wollen zeigen, dass der Nordosten dieses heimtückische Projekt genannt „Integration von Wassereinzugsgebieten“,  die gleiche, alte Geschichte der Ableitung, nicht braucht.

 

Mit fast 2.000 Personen zelten wir in der Nähe der Baustelle, bei km 29 an der  Bundesstraße 428. Wir sind gekommen um die unmittelbare Suspendierung  der Bauarbeiten zur Ableitung zu fordern. Wir wollen ein Zeichen setzen für eine andere Entwicklung, dem Volk zugewandt und nicht für das Kapital. Wir verbrüdern uns mit dem indigenen Volk der Truká und den anderen indigen Völkern des Nordosten mit der Rückkehr zu dieser Erde, dem Landgut Mutter Rosa, Stammesgebiet seit Urzeiten der Truká, welches für die Ableitung enteignet wurde.

 

Wasser in den Dämmen und Wasserspeichern, grüne Caatinga (Buschwald), Nahrungsmitteln aus Mais, Käse und Liköre und ein großer Tanz um das Feuer - das sind Zeichen des schönen und lebensfähigen Nordostens. Beweise dessen was die Regenzeit kann. Für diese entzünden für das Feuer, konzentrieren wir unsere Kräfte, investieren wir. Die Regierung irrt wieder mal mit ihren Maßnahmen gegen den Wassermangel und nicht im Einklang mit der umwelt- sozialen Dynamik des semi- ariden Nordosten.

 

Die Öko- Koexistenz mit den Bedingungen des semi- ariden Klimas - Beerdigung der Politik  der „Industrie der Trockenheitsbekämpfung“ – und Stärkung der sinnvollen Nutzung der Regenzeit wurde  von dieser Regierung erwartet. Es ist nicht der Wassermangel welcher über das Leben des Nordosten und seiner Bewohnern entscheidet, sondern Öko- Koexistenz mit den Bedingungen des semi- ariden Klima. Die Ableitung, ausgehandelt im Namen einer falschen Wiederbelebung der Wassereinzugsgebiete des Nordostens, bedeutet eine „Rückkehr in die Vergangenheit“.

Die Frage ist nicht Wasser geben oder nicht, sondern welche Entwicklung, zu welchem Preis und für wenn? Und wie mit den Auswirkungen der globalen klimatischen  Veränderungen umgehen? Diese neigen dazu die Zuflüsse des São Francisco zu reduzieren den semi- ariden Nordosten zu verwüsten...

 

Das ist die dritte Besetzung – Demonstration. Die letzte fand in Brasilia, eine Woche im März mit 740 Personen, statt. Zusammengezählt gab es schon einhundert öffentliche Demonstrationen.

Aber kaum wurden wir beachtet, viel weniger angehört oder respektiert. Kann es sein, weil wir die unbequeme Wahrheit über dieses Projekt repräsentieren und was es an Fehlentwicklungen für den Nordosten bringt? Oder weil wir eine Täuschung der Demokratie erleben? Wieder eine Diktatur , mit  „Zwangsentwicklung“ bis hin zu militärischen Handlungen?

 

Der Prozess bisher war nicht demokratisch, nicht mal republikanisch und diskreditiert das Projekt, seine Befürworter und die Lobbyisten:

Formelle und unvollständige Umweltverträglichkeits- Studien; begründete Kritik der Spezialisten; Ignoranz gegenüber der Entscheidungen der Wassereinzugsgebiets-Komitees, nicht Einhalten der Abmachungen mit Don Luiz Cappio, welcher im November 2005 den Hungerstreik  beendete, um eine offene  und ernste nationale Diskussion über das Thema zu ermöglichen.

Unklarheiten und Lügen über die wahren Gründen des Projektes, bezüglich seiner Kosten und denjenigen, welche die Rechnung bezahlen; falsche Propaganda über seine Auswirkungen, Manipulation der öffentlichen Meinung und die Erfindung von anscheinend 12 Millionen durstigen Bedürftigen. In Wahrheit sind es aber letztere, welche die enorme Rechnung für den intensiven Gebrauches des Wasser bezahlen werden.

Schamlose Unregelmäßigkeiten entdeckt vom Bundesrechnungshof, Anzeichen von Bestechung (der Fall von Gautama, dem Bauunternehmen mit dem zweit-teuersten Angebot für die Ausführung der Bauarbeiten); Verschleierung der öffentlichen Debatte über die Projekte der Ableitung des Fluss Tocantins zu den Flüssen São Francisco und Parnaíba. Bestechung der Politiker des São Franciscos, mit Geldern zur Wiederbelebung des Flusses; Erpressungen im Namen eines zügellosen Wirtschaftswachstum zu jedem Preis und ohne Zukunft...

Das sind mehr als genug Gründe damit dieses Projekt eingestampft wird. Dass ist was die Gesellschaft einfordert, die einzige angemessene Haltung eines demokratischen und republikanischen Staates.

 

 

Ableitung ist keine Lösung - dieses ist die Wahrheit, die nicht schweigen wird!

 

Wir wünschen ein wahrhaftiges Programm der Koexistenz mit den semi-ariden Bedingungen;


Wir wünschen ein Projekt der Regionalentwicklung, welche angepasst ist an die realen Notwendigkeiten der lokalen Bevölkerung und nicht an die einer Minorität von nationalen und ausländischen Unternehmern;


Wir wünschen die Demokratisierung des Zuganges zum Wasser, mit freiem Zugang der Bevölkerung zu den Wasserspeichern und zu den Wasserleitungen;

 

Wir wünschen eine soziale Kontrolle auf den Gebrauch des Wassers und der Vorratsbehälter, welche mit Verstand geschaffen wurden;
 

Wir wünschen eine Vorrangige Nutzung des Wassers für die familiäre Landwirtschaft;
 

Wir wünschen die sofortige Implementierung der 530 Baumaßnahmen des „Atlas Nordosten“ der nationalen Wasser-Agentur (ANA) um Wasser zu den 34 Million Einwohner der Dürregebiete bereit zu leiten;
 

Wir wünschen Programme, welche die mehr als 140 Techniken aus Wasser-, Agrar- und Umweltwissenschaft an das Biotop Caatinga und das semi-aride Klima, fördern und verbreiten.

 

Wir wünschen eine umfassende Landreform, angefangen bei der Regulierung des Landes der Völker Truká, Tumbalalá, Pipipã und Cambiwá , welche durch die Ableitung betroffen sind;
 

Wir wünschen die Aufhebung des Baus der Staudämme Pedra Branca, Riacho Seco und Pão de Açúcar und der Kerngebiete in der Region;
 

Wir wünschen ein wirkliche Wiederbelebung des Flusses São Francisco,
 

Wir wünschen, dass der Oberste Bundesgerichtshof endlich eine Entscheidung fällt, und welche  gegen dieses Projekt ausfällt;
 

Wir wünschen die endgültige Einstellung des Ableitungsprojektes!!

 

Die Koexistenz mit dem Semi Arido ist die Lösung!
 

MST - MPA - MMC - MAB - APOINME - MONAPE - CETA - SINDAE - CÁRITAS – CIMI - CPP - CPT - ASA - AATR - PJMP - CREA/BA - SINDIPETRO AL/SE - CONLUTAS - Federação Sindical e Democrática de Metalúrgicos do Estado de MG – Terra de Direitos - Fórum Nacional da Reforma Agrária - Rede Brasileira de Justiça Ambiental - Fórum Permanente em Defesa do Rio São Francisco / BA - Fórum de Desenvolvimento Sustentável do Norte de MG - Fóruns de Organizações Populares do Alto, Médio, Submédio e Baixo São Francisco - Frente Cearense Por uma Nova Cultura da Água Contra a Transposição - Projeto Manuelzão /MG - STRs, Colônias de Pescadores, Comunidades Ribeirinhas, Indígenas, Quilombolas, Vazanteiras, Brejeiras, Catingueiras e Geraiseiras da Bacia do Rio São Francisco.

 

(Übersetzung: Gerhard Braunmiller)