Der MST auf dem Weg zum V. Kongress

 

Im Juni 2007 wird der V. Kongress des MST in Brasilia stattfinden. Das wird ein bedeutender Moment der Reflexion und der Analyse der Aktivitäten der Bewegung sein und gleichzeitig ein Ort, an dem die Perspektiven und Strategien der Kämpfe in der nächsten Zeit entwickelt werden. Darüber hinaus war dieses Ereignis von seinen ersten Schritten der Vorbereitung an ein Prozess der politischen Bildung der tausenden aktiven Männer und Frauen, die an ihm teilnehmen. Und weiter: Er zeigt der Gesellschaft die Bedeutung der Agrarreform und der Fähigkeit der Bewegung sich zu organisieren.

Der Kongress ist aber auch eine Zeit der Verbrüderung der Aktivisten, ein Erfahrungsaustausch, ein Wiedergewinnen der Energien, um konsequent den Kampf um die Demokratisierung des Landes und für ein alternatives Gesellschaftsmodell fortzusetzen. Lesen Sie im folgenden einige kurze Hinweise zur Geschichte der Kongresse des MST.

 

I. Kongress: Ohne Agrarreform gibt es keine Demokratie

 

Die Durchführung dieses I. Kongresses wurde direkt nach der Gründung des MST im Januar 1984 während des ersten bundesweiten Treffens beschlossen. Etwa 1.500 Personen (die meisten davon aus dem Süden) nahmen an dieser ersten großen Aktivität der Bewegung in Curitíba teil. In dieser Zeit ging Brasilien durch die Phase der Redemokratisierung, der Debatte um eine von einem Wahlmännergremium gewählten Regierung, ohne direkte Wahlen. Währenddessen lenkte der Kongress der Bewegung die Aufmerksamkeit der brasilianischen Öffentlichkeit auf die Tatsache, dass nur die Durchführung einer Agrarreform das Land zu einem demokratischen macht. Ebenso wurde definiert, dass die Besetzung von Ländereien das prinzipielle Instrument für den Fortschritt in der Demokratisierung des Landes ist.

 

II. Kongress: Besetzen, widerstehen und produzieren

 

Im Mai 1990 war Fernando Collor de Mello brasilianischer Präsident, der erste, der direkt vom Volk gewählt wurde. Die Regierung setzte eine neoliberale Politik um und unterdrückte die sozialen Bewegungen des Landes. So sollte das Motto des Kongresses zeigen, dass die Familien der Landlosen bereit waren, allen Schwierigkeiten zu begegnen, zu widerstehen und für ihre Rechte zu kämpfen. Der Zeitpunkt war wichtig für die bundesweite Ausbreitung der Bewegung, gerade weil Aktivisten aus dem ganzen Land in Brasilia teilnahmen.

 

III. Kongress: Agrarreform, ein Kampf aller

 

Mehr als 5.000 Personen nahmen am III. Kongress 1995 teil. Sie kamen nach Brasilia mit dem Willen ihre Kampfbereitschaft zu demonstrieren. Als Prioritäten für die Aktivitäten wurden festgelegt die Intensivierung der massenhaften Kämpfe, die Garantie der Erfüllung der Versprechen der Regierung FHC und die Stärkung der Organisation der Bewegung. Einer der mit dem Preis „Kampf ums Land“ Geehrten war Luiz Inacio Lula da Silva, der gegenwärtige Präsident des Landes. „Ich bin überzeugt, dass die Durchführung der Agrarreform eine Frage des politischen Mutes ist“, sagte er während der Ehrung. Der Präsident möge das niemals vergessen.

 

IV. Kongress: Für ein Brasilien ohne Großgrundbesitz

 

Im August 2000 kamen mehr als 11.000 Aktivisten des MST aus allen Teilen des Landes nach Brasilia, um am IV. Kongress teilzunehmen. Neben den brasilianischen Aktiven kamen Kämpferinnen und Kämpfer aus 25 Ländern zu diesem Ereignis. „Der MST bringt Leben in den Kontinent. Es ist wichtig, dass ihr einig bleibt, damit ihr den Bewusstseinsgrad des Volkes heben könnt. Ihr habt eine große Verantwortung für den Kontinent“, sagte Aleida Guevara, eine der auf dem Kongress Ausgezeichneten. Neu betont wurde auf dem Kongress wieder die Intensivierung des Bündnisses zwischen Stadt und Land; die Stärkung der Geschlechterdebatte in allen Vollzügen des MST; und der Kampf gegen den Imperialismus der transnationalen Konzerne und internationaler Organisationen wie des IWF und der WHO.