Was ist das MST?
Die „Bewegung der Landarbeiter ohne Boden“ (portugiesisch:
Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) ist die größte
soziale Bewegung Lateinamerikas Häufig wird sie auch kurz als
„Bewegung der Landlosen“ (Movimento dos Sem Terra) bzw.
abgekürzt MST bezeichnet. Sie hat geschätzte 1,5 Millionen
Mitglieder ist heute bereits in 23 der 27 Staaten Brasiliens
vertreten. Das MST setzt sich vornehmlich für die Umsetzung einer
Landreform ein, stellt darüber hinaus aber auch soziale,
ökologische und politische Forderungen. 1991 erhielt die Bewegung
den Alternativen Nobelpreis.
Die extrem ungleiche Landverteilung in Brasilien war der
Hauptgrund für das Entstehen des MST. In Brasilien besitzen etwa
10 % der Bevölkerung rund 80 % des Landes. In anderen Zahlen:
1,6 % der Landeigentümern gehören 46,8% der landwirtschaftlich
nutzbaren Fläche. So kommen auf 20 Großgrundbesitzer 20
Millionen Hektar Land, während 3,3 Millionen Kleinbauern zusammen
gerade einmal ebensoviel Land besitzen.
Von den Böden, die Großgrundbesitzern oder Konzernen gehören,
wird etwa die Hälfte nicht bewirtschaftet, denn es handelt sich
häufig nur um Spekulationsobjekte. Konflikte gegen diese
Ungerechtigkeiten sind unausweichlich. Je nach den lokalen
politischen Machtverhältnissen enden die Auseinandersetzungen
um Land in Brasilien oft in Gewalt. Dabei sind die Landlosen
einerseits der Repression durch staatliche Institutionen (z. B. der
Militärpolizei) ausgeliefert, andererseits aber öffnet die
weitgehende Straffreiheit der Großgrundbesitzer und deren brutaler
Privatmilizen und Auftragsmörder der Gewalt Tür und Tor.
Seit 1985 hat das MST ungenutztes oder gesetzeswidrig
bewirtschaftetes Land (z. B. durch niedrige Löhne, mangelnde
Rechte der ArbeiterInnen, umweltschädliche Techniken) besetzt.
Auf diesen Ländereien werden zunächst so genannte
acampamentos (Camps) errichtet. Mit diesen Besetzungen
versucht das MST die staatlichen Behörden, welche eigentlich
durch Enteignungen eben dieser Ländereien den gesetzlich
festgelegten „sozialen Nutzen“ von Boden garantieren sollen, unter
Zugzwang zu setzen. Es werden Prozesse gegen die Landbesitzer
geführt mit dem Ziel, die Unrechtmäßigkeit des Besitzes
aufzudecken und das Land den Menschen in den acampamentos zu
überschreiben, was mühevoll und leider oft erfolglos ist. Sind die
Prozesse jedoch gewonnen, werden aus den acampamentos
assentamentos (Siedlungen) für die ehemals Landlosen. Das MST
legt von Beginn an Wert darauf, auf den Gebieten auch
kooperative Bauernhöfe, Schulen und inzwischen auch höhere
Bildungseinrichtungen für Kinder und Erwachsene sowie Kliniken und
seit neuestem einer eigenen Universität zu errichten. Bis heute hat
das MST durch seine Aktionen für über 400 000 Familien offizielle
Landtitel in über 2000 assentamentos erreicht. Etwa eben so viele
Familien warten momentan auf die deren Anerkennung.
Das MST setzt sich jedoch nicht nur unmittelbar für die
Überschreibung unrechtmäßigen Besitztums an die landlose
Bevölkerung ein, sondern vertritt dabei auch dabei Leitbilder wie
Respekt für die indigenen Bevölkerungsgruppen, nachhaltige und
umweltbewusste Entwicklung und geschlechtliche
Gleichberechtigung.
Der Erfolg des MST liegt v. a. in seiner Fähigkeit zu mobilisieren
und zu organisieren. Die Mitglieder haben sich mit ihren
erfolgreichen Prozessen nicht nur Boden und damit Nahrung für ihre
Familien gesichert, sondern außerdem ein nachhaltiges sozioökonomisches Lebensmodell entwickelt.
Heute können das MST und seine zentralen Anliegen auf viel
Sympathie in der brasilianischen Bevölkerung bauen. Dem MST wird
z. B. eine zentrale Rolle für den Wahlsieg des Arbeiterpräsidenten
„Lula“ zugeschrieben, auch wenn momentan dessen politische
Maßnahmen dem sozialistisch geprägten MST nicht weit reichend
genug sind.
Geschichte des MST
Organisationsstruktur
Politisches Programm
Flagge des MST